Saul Fia
Der Debütfilm dieses jungen Ungarn, der mit Béla Tarr zusammen gearbeitet hat, ist ein Anti-Benigni, ein Anti-Spielberg. Es ist auch der Wille gegen eine Erzählungsform anzufilmen, die dem Zuschauer entgegen kommt, oder ihm ermöglicht, sich zu identifizieren. Der Film stellt sich außerhalb dieser Problematiken auf. Es geht hier um einen Mann, der schon tot ist, der ein Wunder schaffen will, der im Vernichtungslager eine Genealogie wieder herstellen möchte. Saul möchte eine Geste wieder zum Leben erwecken, die Menschen von Tieren unterscheidet: eine Beerdigung, ein Gebet. Diese Selbstverständlichkeit, Klarheit und Bescheidenheit der Absicht werden in diesem Projekt auch ästhetisch transportiert. Wir stecken in der Haut, in den Augen, im Gesicht der Hauptfigur. Wir sind ganz bei ihm. Damit regelt sich die Frage nach der Ethik in Sekunden. Das ist ein rein physisches Kino, eine Sinneserfahrung für den Zuschauer. Der Regisseur ist 38 Jahre alt und dies ist sein erster Film...und sein letzter. Wie könnte er jemals wieder einen Film drehen, wissend, dass schon alles gesagt ist? Das ist ein definitiver Film, quasi ein Testament.
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